MII Symposium 2026: Zehn Jahre Medizininformatik-Initiative

Auf dem Jubiläumssymposium der Medizininformatik-Initiative (MII) am 24. und 25. März 2026 wurde deutlich, wie stark sich die medizinische Forschung und Versorgung in Deutschland durch harmonisierte Gesundheitsdaten, interoperable Infrastrukturen und standortübergreifende Zusammenarbeit verändert haben.

Unter dem Leitmotiv „Zukunft Gesundheit: Daten nutzen. Vernetzung fördern. Innovation gestalten.“ brachte das MII Symposium 2026 zentrale Akteurinnen und Akteure aus Universitätsmedizin, Forschung, Versorgung, Politik und Gesundheits-IT zusammen. Im Mittelpunkt des Jubiläumssymposiums stand die Bilanz von zehn Jahren Medizininformatik-Initiative — und zugleich der Blick auf die nächsten Entwicklungsschritte hin zu einer nachhaltigen, vernetzten und transsektoralen Dateninfrastruktur.

Bereits zur Eröffnung unterstrich Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, die strategische Bedeutung der Initiative. Die MII habe in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, wie aus einer vormals fragmentierten Datenlandschaft eine vernetzte Struktur mit gemeinsamen Standards entstehen könne. Damit sei eine wesentliche Grundlage geschaffen worden, um Gesundheitsdaten systematisch für Forschung und Versorgung nutzbar zu machen.

Diese Entwicklung spiegelt sich insbesondere in den über die MII aufgebauten Infrastrukturen wider. Über das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) stehen Forschenden heute klinische Daten in bislang kaum erreichter Breite und Tiefe zur Verfügung: mehr als zwei Milliarden Laborwerte, Basisdaten von über 21 Millionen Patientinnen und Patienten aus allen Universitätskliniken sowie mehr als 200 Millionen Vitaldaten aus der Intensivmedizin. Grundlage hierfür ist der bundesweite Aufbau von Datenintegrationszentren (DIZ) an allen Universitätskliniken, die Versorgungs- und Forschungsdaten datenschutzgerecht harmonisieren und standortübergreifend für wissenschaftliche Fragestellungen erschließen.

Dass diese Real-World-Daten bereits heute konkrete wissenschaftliche und versorgungsrelevante Erkenntnisse ermöglichen, wurde in mehreren Beiträgen des Symposiums sichtbar. So zeigte Prof. Dr. Irit Nachtigall anhand von Sepsis-Daten geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnostik, Therapie und Krankheitsverlauf auf. Solche Analysen verdeutlichen das Potenzial harmonisierter Datenbestände, klinisch relevante Unterschiede systematisch zu identifizieren und künftig gezielter in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen.

Ein weiteres Beispiel stellte Dr. Jakob Zierk mit der Studie PEDREF 2.0 vor. Ziel des Projekts ist es, auf Basis klinischer Routinedaten der MII und moderner Data-Mining-Methoden verlässlichere pädiatrische Referenzintervalle zu entwickeln. Damit adressiert das Vorhaben eine zentrale Herausforderung der Labormedizin im Kindesalter und zeigt exemplarisch, wie MII-Daten die Präzision diagnostischer Entscheidungsprozesse verbessern können.

Auch die Rolle von Künstlicher Intelligenz für die zukünftige Gesundheitsversorgung war ein zentrales Thema des Symposiums. In seiner Keynote machte Prof. Dr. Björn Eskofier deutlich, dass Gesundheitsdaten zur Grundlage einer modernen, präzisen und personalisierten Medizin werden. Damit dieses Potenzial in der klinischen Praxis wirksam werden kann, seien jedoch nachhaltige Dateninfrastrukturen und wissenschaftspolitisch tragfähige Rahmenbedingungen erforderlich. Die MII, ebenso wie entstehende europäische Strukturen etwa im Kontext des European Health Data Space, schaffen hierfür wesentliche Voraussetzungen.

Zugleich wurde auf dem Symposium deutlich, dass sich die MII in einer neuen Entwicklungsphase befindet. Die wachsende Verzahnung von Medizininformatik-Initiative (MII) und Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) zielt auf eine noch leistungsfähigere Forschungsinfrastruktur, die datenbasierte Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die Nutzung von Schlüsseltechnologien weiter stärken soll. In diesem Zusammenhang wurde auch die Anschlussfähigkeit an nationale und europäische Dateninfrastrukturen sowie die langfristige Verstetigung bestehender Strukturen intensiv diskutiert.

Ein besonderer Fokus des zweiten Symposiumstags lag auf den Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit (DigiHubs). Sie sollen die bisher in der Universitätsmedizin etablierten Ansätze in die regionale und sektorenübergreifende Versorgung übertragen. Themen wie digital unterstützte patientenzentrierte Versorgung, Patientenportale, transsektorale Vernetzung und die Nutzung strukturierter Routinedaten verdeutlichten, dass die nächste Entwicklungsstufe der MII nicht allein in der Skalierung bestehender Infrastrukturen liegt, sondern insbesondere in deren Erweiterung über institutionelle und sektorale Grenzen hinweg.

Damit wurde auf dem MII Symposium 2026 nicht nur die Aufbauleistung der vergangenen zehn Jahre sichtbar. Es zeigte sich auch, dass die MII inzwischen eine tragende Infrastruktur für datenbasierte Gesundheitsforschung in Deutschland darstellt — und dass ihre Weiterentwicklung entscheidend dafür sein wird, wie erfolgreich Forschung, Versorgung und Innovation künftig miteinander verbunden werden können.

Ein sichtbares Zeichen dieser Weiterentwicklung war zudem die Veröffentlichung des neuen ONE MII Journal im Rahmen des Symposiums. Zusammen mit den fachlichen Diskussionen, den Beiträgen aus den Arbeitsgruppen und den Perspektiven aus den FortschrittsHubs unterstrich dies den Anspruch der MII, die digitale Transformation der Medizin nicht nur technisch, sondern auch strategisch und wissenschaftlich aktiv zu gestalten.

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