MIDIA-Hub: Start der 2. Förderphase mit Fokus auf Versorgungseinbindung, Co-Design und übergreifende Patient Journeys Einleitung

Mit dem Kick-Off Symposium am 04.02.2026 am Klinikum rechts der Isar ist der MIDIA-Hub offiziell in die 2. Förderphase gestartet. Ziel des Treffens war es, die strategischen Schwerpunkte zu schärfen, Rollen und Erwartungen im interdisziplinären Konsortium abzustimmen und die Grundlage für eine konsequent umsetzungsorientierte Projektphase ab 2026 zu legen.

Einordnung: Was die 2. Förderphase auszeichnet

Der MIDIA-Hub stellt sich in der zweiten Förderphase breiter und versorgungsnäher auf: Eingespielte Partner aus Medizininformatik, Klinik-IT und den klinischen Disziplinen treffen auf die systematische Einbindung der Allgemeinmedizin sowie ambulanter Netzwerke. Gleichzeitig wird die Perspektive von Patient:innenvertretungen von Beginn an inhaltlich verankert.
Damit folgt der MIDIA-Hub dem Anspruch, digitale Lösungen nicht nur fachlich korrekt, sondern auch alltagstauglich, anschlussfähig und evaluierbar in Versorgungskontexte zu überführen.

Auftakt und Rahmen

Nach der Begrüßung – insbesondere der Patient:innenvertreter:innen und der Vertreter:innen der Projektträger – durch Martin Boeker (Lehrstuhl für Medizinische Informatik, Technische Universität München) wurde der Arbeitsrahmen für die zweite Förderphase abgesteckt.
Im Mittelpunkt standen dabei drei Leitfragen: Welche Ziele sind kurzfristig zu konkretisieren? Welche Kooperations- und Kommunikationsstrukturen ermöglichen schnelle Abstimmungen? Und wie lassen sich klinische, versorgungsbezogene und nutzerzentrierte Perspektiven in einem gemeinsamen Vorgehen zusammenführen? Prof. Dr. Boeker zeigte sich zuversichtlich, diese Aufgaben und Herausforderungen im Konsortium erfolgreich anzugehen.

Use Case Multiple Sklerose: klinischer Fokus und Versorgungsintegration

Im Use Case Multiple Sklerose diskutierten Achim Berthele und Viola Pongratz (Neurologische Klinik) den aktuellen Stand und die nächsten Schritte.
Im Mittelpunkt standen die gemeinsame Zielschärfung sowie die Frage, wie Anforderungen aus klinischem Alltag und Versorgungspraxis in belastbare Arbeitsaufträge übersetzt werden können.
Ein zentrales Ziel ist die Überführung evidenzbasierter Leitlinien in den Praxisalltag der Allgemeinmedizin.

Allgemeinmedizin und Hausärzt:innen-Netzwerke: Anschlussfähigkeit als Design-Prinzip

Die Einbindung der Allgemeinmedizin in den Use Case Multiple Sklerose ordneten Antonius Schneider (Institut für Allgemeinmedizin) und Thomas Kühlein (Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Erlangen) ein.
Darauf aufbauend thematisierten Susann Hueber und Stefanie Eck die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzt:innen sowie Hausärzt:innen-Netzwerken.
Diskutiert wurden insbesondere die Relevanz allgemeinmedizinischer Forschung, Herausforderungen qualitativ hochwertiger Studiendurchführungen sowie Erfolgsfaktoren regionaler, allgemeinmedizinischer Forschungspraxennetzwerke (z. B. BayFoNet).

Digitale Versorgungsperspektive: „Ärzte im Netz“

Mit dem Beitrag „Konzepte von Monks – Ärzte im Netz“ brachte Sean Monks (Monks – Ärzte im Netz GmbH) eine Perspektive aus der digitalen Versorgungsrealität ein.
Im Fokus standen Skalierung, Reichweite und die Frage, wie digitale Angebote in bestehende Versorgungslogiken eingebettet werden können.
Im Rahmen des Vortrags stellte Monks außerdem „Telekonsil“ vor: eine Plattform zur digitalen, fachlichen Beratung zwischen Ärzt:innen – zur Diagnosestellung oder Therapieplanung – per Videokonferenz oder asynchroner Datenübertragung.

Patient:innenperspektive: Erfahrung und Interessen

Christian Röwenstrunk (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) ordnete die Bedeutung der Patient:innenperspektive im Projektkontext ein. Anhand seiner eigenen Krankheitsgeschichte skizzierte er einen typischen Weg von den ersten Symptomen bis hin zur Diagnose – in seinem Fall nach sechs Jahren.
Im Mittelpunkt stand, wie die Einbindung von Patient:innen – und damit z. B. die strukturiertere Erhebung der Anamnese – in der Neurologie verbessert werden kann.
KI-gestützte Abfragen könnten nach Ansicht von Röwenstrunk insbesondere dabei helfen, ohne Zeitdruck Symptome zu erfassen und so die Diagnostik zu erleichtern.

Use Case Gynäkologie

Im Use Case Gynäkologie beleuchtete Hanna Hübner (Frauenklinik) die fachlichen Schwerpunkte – insbesondere in der gynäkologischen Onkologie (z. B. Ovarialkarzinom).
Im Zentrum stand die Überführung klinischer Fragestellungen in strukturierte, umsetzungsfähige Schritte. Als Beispiel wurde die Rolle der Cancer Care Nurse in der Prehabilitation als Vorbereitung auf einen operativen Eingriff genannt, die sich für viele Patientinnen als effektiv erwiesen hat.
Darüber hinaus wurde ERAS (Enhanced Recovery After Surgery) als weiterer Ansatz zur strukturierten perioperativen Versorgung adressiert.
Gemeinsam mit den DigiHubs CAEHR und LeMeDaRT wurde zudem diskutiert, welche Schnittstellen der MIDIA-Hub bereitstellen kann.

Enablement: Organisation, Co-Design und übergreifende Strukturen

Am Nachmittag wurden Querschnittsthemen adressiert, die den Projekterfolg maßgeblich bestimmen.
Stefanie Toddenroth (Lehrstuhl für Medizinische Informatik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) sowie Juliane Krieger und Prof. Dr. Boeker skizzierten Kommunikation, Administration und Organisationsfragen der zweiten Förderphase.
Ines Leb ordnete User Co-Design als durchgängiges Prinzip über den gesamten Entwicklungsprozess ein. Ziel ist ein konkretes, gemeinsames Verständnis zentraler Nutzer:innengruppen und ihrer Arbeitssituationen für die zu entwickelnde Software.
Thomas Ganslandt stellte – nach einem kurzen Rückblick zur Entstehung der DigiHubs – den übergreifenden Use Case, die übergreifende Patient Journey sowie die Zusammenarbeit mit anderen Hubs und weiteren relevanten Strukturen in den Mittelpunkt.

Next Steps und Abschluss

Unter dem Punkt „Gesamtsicht auf den MIDIA-Hub – Next Steps“ wurden die nächsten Arbeitsschritte im Dialog der Arbeitsgruppen zusammengeführt (Prof. Dr. Boeker, TUM).
Neben organisatorischen Aufgaben – etwa dem Abschluss von Kooperationsverträgen und weiteren rechtlich relevanten Themen – werden nun die einzelnen Arbeitspakete, die im Kick-Off vorgestellt wurden, in die Umsetzung überführt.
Dabei wurde deutlich: Die Ziele sind realistisch angelegt, für das erste Projektjahr jedoch zugleich ambitioniert.

Fazit

Das Kick-Off Symposium hat die Leitplanken für eine zweite Förderphase gesetzt, die Umsetzung und Versorgungsanschluss systematisch zusammendenkt: Use Cases als Anker, Allgemeinmedizin und ambulante Netzwerke als Realitätsprüfung, die Patient:innenperspektive als Qualitätsmaßstab und Co-Design als verbindende Methodik.
Damit ist eine belastbare Grundlage geschaffen, um die nächste Projektphase gemeinsam zielorientiert zu gestalten.